
Picasso im Zwielicht: Die Picasso-Radierung "Femme", ein Blatt von 18 mal 25 Zentimetern, war günstig zu haben. Statt der marktüblichen 7.000 Euro schon für schlappe 1.750 Euro, erstanden an einem November-Abend im Licht Peitschenleuchte vor einem herrschaftlichen Haus in einem Villenviertel in Hannover. Der einzige Schönheitsfehler: Die Radierung stammte nicht von Picasso.
Der klapprige Kombi biegt in eine stillen Straße des hannoverschen Feine-Leute-Stadtteiles Kleefeld ein. Links herrschaftliche Wohnhäuser, rechts die Eilenriede, ein ausgedehnter Waldpark. Vor einer weißen Eckvilla stoppt unser Gefährt im Schein einer Straßenlampe. "Da wären wir", sagt unser Fahrer, ein junger Kaufmann, der mit allerlei Kunstdingen handelt und der uns hier ein Angebot von Picasso-Radierungen unterbreiten will. Hier, im Auto, unter der Peitschenleuchte?Der junge Mann springt aus dem Wagen, geht ins Haus und kehrt nach ein paar Minuten mit vier Blättern des großen Spaniers zurück, erotische Darstellungen auf Bütten von nahezu DIN-A-5-Format, allesamt im Werkverzeichnis belegt. Ihr Marktwert: zwischen 10.000 und 14.000 Mark.
Während wir die Blätter betrachten, wird im Haus das Licht gelöscht. Wir wählen, entscheiden uns für das Blatt mit dem Titel "Femme" und handeln - günstig, günstig - einen Preis von 3.500 Mark aus. Unser Fahrer und Kunstvermittler kehrt ins Haus zurück, das Licht wird wieder eingeschaltet. Wir warten.
Als er zurückkommt, erhalten wir die gewünschte Picasso-Radierung für unsere abgezählten Scheine und sogar eine Quittung, unterzeichnet von unserem Kaufmann im Namen eines Dritten. Weil, so erfahren wir, der Händler dort im Haus grundsätzlich nichts Schriftliches aus der Hand gibt. Denn schließlich: So faul wie die Quittung, so falsch ist das Picasso-Blatt. ...
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