Eddie, der Zauberlehrling: Wie uns der Berliner Edgar Mrugalla in seine Handwerker- und Geschäftsgeheimnisse einweihte...
Holperstraßen, Wiesen bis zum Horizont, baumloses Moor und tief hängende Wolken von der nahen Nordsee. Dann ein paar Dächer, aufgegebene Gehöfte mit gähnenden Fensterhöhlen. Das kleine Dorf - kein Laden, keine Kirche - liegt wie ausgestorben.
Der Ort heißt Fiel. Hier lebt im Kreis Dithmarschen in einem ärmlichen Klinkerhaus auf verwuchertem Grundstück der Maler Edgar Mrugalla. Er hat der Polizei fast 2 500 Fälschungen eingestanden. Hat seine Helfer preisgegeben und die Händler, die mit seinen Arbeiten Geschäfte machten. Ist in einem Anflug von Aufklärungsraserei durch Museen und Kunsthandlungen gezogen, um fremde Fälschungen hochgehen zu lassen.
Im Herbst 1990 wurde Mrugalla vom Amtsgericht im benachbarten Meldorf nach "Holsteiner Landrecht", so der Vorsitzende Hans-Peter Voß, zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, und Mrugalla spazierte frei und fröhlich aus dem Gerichtssaal.
"Was tut der Fälscher Böses?" fragte denn auch der Kulturkritiker Karl Markus Michel, ausgerechnet in der Frankfurter Allgemeinen, dem bevorzugten Anzeigenblatt der Zunft. "Er ist strebsam und ehrgeizig, glaubt an Werte und an Wettbewerb, drückt die Preise und steckt ein, was der freie Markt hergibt. Das wäre bei jedem anderen Gewerbe ein ehrbares Verhalten. Nur nicht in der Kunst." Michel ratlos: " Warum? Wem schadet der Fälscher?"
"Die Jroßjaleristen", berlinert Mrugalla entrüstet, "ham doch alle ‚ne eigene Werkstatt, wo sie ihre Minen bauen lassen." Der ehrbare Fälscher im Kampf gegen eine ganze Kunst-Mafia? Ehefrau Monika schenkt Kaffee aus der braunen Thermoskanne ein. "Wat jlauben Sie", setzt sie nach, "wat die uns immer beschissen ham." ...
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